Exkursion nach Dachau

Am 29. April 1945 befreiten Soldaten der amerikanischen Armee das Hauptlager des Konzentrationslagers Dachau. Dort trafen sie auf tausende Häftlinge, von denen sich viele in menschenunwürdiger Verfassung befanden. Dieser Ort, der seit 1933 synonym für Verfolgung, Entrechtung, Terror und Mord stand, hatte über 41 000 Menschen das Leben gekostet. Heute ist die KZ-Gedenkstätte Dachau ein bedeutender Ort, der eindrücklich daran erinnert, was war und nie wieder sein darf. Nun jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers zum 81. Mal – ein Grund für das Gymnasium Korntal-Münchingen, auf den Gedenkstättenbesuch der Klassenstufe 9 im November zurückzublicken.

Ein Bericht von Lorenzo Clausi, Klasse 9c

Am Mittwoch, den 26.11.25, brachen wir, die neunten Klassen des Gymnasiums Korntal-Münchingen, zu einer Exkursion in das ehemalige Konzentrationslager Dachau auf. In den frühen Morgenstunden fuhren wir mit Bussen von der Schule los, gegen 11 Uhr kamen wir schließlich in der Gedenkstätte an. Bevor uns geschulte Guides für eine Führung abholten, hatten wir noch Zeit, über unsere Vorstellungen zu reden, was uns an diesem Ort wohl erwarten würde, aber nichts hätte uns wirklich darauf vorbereiten können. Die zahlreichen Eindrücke, die wir an diesem Tag gesammelt haben, wirken bis heute nach.

Als Erstes wurden uns die Bahn-Schienen vor dem ehemaligen Lagereingang gezeigt, welche wir zunächst fälschlicherweise für Schienen der Personenzüge hielten. Unser Guide erklärte uns aber, dass es Schienen für Munition waren, da das Konzentrationslager vor der NS-Zeit eine Munitionsfabrik war. Vor dem Eingangstor, auf welchem eine Aussage stand, mit der wir uns noch über die Exkursion hinaus beschäftigten, machten wir schließlich Halt. Der Schriftzug „Arbeit macht frei“ erweckt den Eindruck, wer mehr arbeite, werde frei, aber in der Realität stand die Aussage für Zwangsarbeit und die unmenschlichen Bedingungen, unter denen die Insassen leiden mussten und die nicht selten zum Tod führten. Vernichtung durch Arbeit war das Ziel der Nationalsozialisten.

Einmal durch das Tor durchgegangen, gelangt man auf einen weitläufigen Platz, der damals der Appellplatz war. Dort mussten die Insassen, egal bei welchem Wetter, täglich für eine Stunde oder deutlich länger strammstehen. Wer dabei körperlich schwächelte und nicht mehr konnte, wurde in der Regel hart bestraft. 

Als wir diese ersten extremen Informationen verarbeitet hatten, ging es weiter zu den Gefängniszellen. Dort konnte man erst recht erkennen, wie schrecklich der Alltag für die Insassen in Dachau war, denn die Haftbedingungen waren unmenschlich: eine geringe Zellengröße, ständige Kälte, Dunkelhaft, Folter und Misshandlungen. Unser Guide schilderte uns, dass auch berühmte Personen in Dachau inhaftiert waren, unter anderem britische Spione und deutsche Politiker.

Ein weiterer ergreifender Ort in der Gedenkstätte waren die Baracken, die heute im Original nicht mehr erhalten geblieben sind und von denen – bis auf zwei Nachbauten – nur noch Umrisse zu sehen sind. Eigentlich waren diese für ca. 60 Personen ausgelegt, gegen Ende des Krieges wurden dort aber mehrere hundert Personen untergebracht, die in Stockbetten auf einfachen Holzpritschen schlafen mussten. Die hygienischen Bedingungen waren fatal, Krankheiten konnten problemlos um sich greifen. Auch dieser Ort zeigt, wie rücksichtslos und grauenvoll die Insassen behandelt wurden.

Die Worte fehlten uns aber vor allem bei der Begehung der sogenannten „Baracke X“, in der sich unter anderem das Krematorium befand, in dem damals in mehreren Heizöfen die getöteten Insassen verbrannt wurden. Dieser Ort ist uns deshalb so im Gedächtnis geblieben, weil er die Grausamkeit und die unmenschlichen Bedingungen besonders hervorhebt. So auch die „Duschen“ im selben Gebäudekomplex, welche in zynischer Weise als „Brausebad” bekannt sind. Es ist zwar historisch nicht gesichert, dass in dieser funktionstüchtigen Gaskammer Menschen in Massen zu Tode kamen, laut Berichten und Zeugenaussagen kam es 1944 jedoch zu vereinzelten Vorfällen, bei denen Häftlinge durch Giftgas getötet wurden. Wie beklemmend es ist, als heutiger Besucher der Gedenkstätte in diesem Raum zu stehen bzw. durch ihn hindurchzugehen, ist kaum in Worte zu fassen.

Als die Führung zu Ende war, hatten wir vor Ort und auf der stundenlangen Rückreise genug Zeit, uns über unsere Eindrücke auszutauschen und diese zu verarbeiten. Unser Fazit war und ist: Die Haftbedingungen im damaligen Konzentrationslager Dachau waren von Beginn an auf Terror, physische und psychische Zerstörung der Häftlinge ausgelegt. Das KZ war ein Ort beispielloser Grausamkeit. Nach einem Besuch der heutigen Gedenkstätte wird man eine Überzeugung mit Sicherheit nicht mehr los: So etwas darf nie wieder geschehen!

Ich danke im Namen aller neunten Klassen und der Begleitlehrer dem Schülerverein sowie dem Land Baden-Württemberg, die beide einen wesentlichen Teil der Kosten übernommen und uns somit diese eindrucksvolle und lehrreiche Exkursion ermöglicht haben.

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