Die Akte „Romeo und Julia“

Denn niemals gab es ein so herbes Los, als Juliens und ihres Romeos.

Wer kennt sie nicht, die letzten Worte des wohl bekanntesten Liebesdramas der Weltliteratur? Doch was wäre eigentlich, wenn eines der größten Literaturliebespaare im Laufe der letzten Jahrhunderte gar nicht aufgrund tiefer gegenseitiger, aber unmöglicher Liebe ungezählte Male den Bühnentod gestorben wäre, sondern aus ganz anderen Gründen? Diese Frage stand im Zentrum des selbst geschriebenen und inszenierten Theaterstücks Die Akte „Romeo und Julia“ des zwölfköpfigen Literatur und Theater-Kurses der Kursstufe 2 unter der Leitung von Frau Rothgerber.

Große Ermittler und Detektive der Film- und Literaturgeschichte, namentlich Sherlock Holmes (Kati Mülders) unterstützt von Dr. Watson (Jasmin Vogel), Enola Holmes (Lilly Alpers), der „Mentalist“ Patrick Jane (Daniil Draganov) mit Theresa Lisbon (Aurelia Spieth), Kurt Wallander (Kayra Kurukafa), Polizeimeister Huber (Raphael Geißner) und Kommissarin Tobler (Lisa Walter) nahmen sich der Frage an, was wirklich zum Tod der Liebenden führte. Im Laufe ihrer intensiven Ermittlungsarbeit starben nicht nur Romeo und Julia (unter anderem gespielt von Charlotte Langguth und Fine Hofmann) immer wieder auf eindrucksvollste Weise, es wurden natürlich auch verschiedene Zeugen und Tatverdächtige wie Julias Vater, Herr Capulet (Hans Schacherer), und der ihr durch ihre Eltern zugeführte Verehrer Paris (Johannes Schuler) befragt.

Jeder Ermittler zeigte dabei seine eigene Herangehensweise und so entfaltete sich ein bunter Strauß an Theorien. War Julias Liebe am Ende nur gespielt, um einen Juwelendiebstahl umzusetzen? Blieb der im Patriarchat gefangenen jungen Frau kein anderer Ausweg, als Romeo zu töten, um nicht Besitz eines Mannes zu werden? Fand gar ein Femizid mit anschließendem Selbstmord statt, weil Romeo dem Druck, einen Nachfolger zu zeugen, nicht Stand hielt? Waren Romeo und Julia Opfer der Sozialen Medien, die mit immer gefährlicheren Challenges das Leben der heutigen Jugend gefährden? Oder waren die Familien der beiden in kriminelle Machenschaften verstrickt, bei denen mit einem mutierten Tollwutvirus experimentiert wurde, das versehentlich den eigenen Nachwuchs das Leben kostete?

Die zu Beginn des Stücks gestellte Frage, ob Tote weniger lügen als die Lebenden, bleibt am Ende unbeantwortet. Doch deutlich wird, dass menschliche Gier, sei es nach Besitz, Liebe, Macht oder Klicks, zu nichts Gutem führen kann.

Ein großer Applaus gilt dem Literatur und Theater-Kurs, unterstützt von Frau Rothgerber, Herrn Kailbach mit der Technik-AG und Herrn Siegle. Den Schülerinnen und Schülern ist es nicht nur gelungen, in einem komplexen Stück immer wieder in verschiedene Rollen zu schlüpfen und weit über zwei Stunden hinaus das Publikum durch spannende, nachdenkliche und humorvolle Momente zu fesseln. Sie haben vor allem gezeigt, welche Aktualität in einem jahrhundertealten „Klassiker“ steckt.

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