Zwei Schulstunden mit uns Mädchen der 9c und Lagaya

Gummibärchen, Schokolade, Pommes, Maultaschen, Fleisch, Obst,… In der Mitte unseres Stuhlkreises lagen Bilder von all diesen leckeren Köstlichkeiten. Unsere Aufgabe nach der Begrüßung lautete: „Sucht euch das aus, was euch am Meisten anspricht!“ Alle stürzten sich auf die Bilder, um sich ihren persönlichen Favoriten unter den Nagel zu reißen. Beliebt waren vor allem – wer hätte es gedacht – Süßigkeiten. Damit begann unsere Vorstellungsrunde. Jede erzählte von sich, wie sie heißt, ihr Alter und warum sie der Meinung war/ist, dass gerade dieses Nahrungsmittel das Beste ist.

Danach fragte Tina, die Mitarbeiterin von Lagaya, einer Beratungsstelle für Frauen und Mädchen mit Suchtproblemen, inwiefern wir uns schon mit dem Thema Essstörung auseinander gesetzt haben. Vieles kam zusammen (mehr oder minder qualitativ J), weil jede auf Kärtchen alles sammelte, was ihr zum Thema Essstörungen einfiel. Daraufhin hängten wir alle gesammelten Informationen an die Tafel und redeten darüber. Tina ergänzte mit von ihr angefertigten Plakaten das, was wir noch nicht selbst erarbeitet hatten.

Unser nächster Programmpunkt: Fußstapfen. Zuerst bekam jede von uns ein paar „Füße“, die wir benutzen sollten, um Situationen, die Tina uns vorlas, zu verneinen. Diese Füße wurden dann auf unserem Weg vom Start aus immer vor uns gelegt. Die Fragen führten uns von einer harmlosen Diät bis hin zu einer gravierenden Magersucht. Je weiter weg wir vom Start entfernt waren, umso mehr sollten wir uns Gedanken machen über unser Essverhalten.

Anschließend schauten wir uns einen Film über eine Magersüchtige an – es war erschreckend, was gezeigt wurde. Das Erschütternde an diesem Mädchen war, dass sie erst nach 6 Jahren Magersucht Hilfe bekam. Bis heute leidet sie noch unter ihrer Krankheit. Manchmal erlebt sie gute Tage, in denen sie normal isst, doch es gibt auch schlechte Tage, in denen die Magersucht sie wieder einholt. Dieser Film hat uns gezeigt, wie furchtbar Essstörungen sind.

Zum Abschluss gab uns Tina Prospekte, die uns über die Hilfsorganisationen aufklärten. Tina fragte: „Wart ihr selber schon in Kontakt mit essgestörten Mädchen?“ Darauf antworteten wir mit einem Ja. Sie meinte: „Auch solche Mädchen können sich bei uns melden, falls sie Hilfe brauchen.“ (Im Internet unter lagaya.de findet man E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Adressen von Lagaya)

Unser Feedback lautet: Der Tag war sehr informativ, jedoch denken wir und auch unsere Klassenkameradinnen, dass manche Aufgaben auf etwas aufgebaut haben, in was wir uns nur schlecht hineinversetzen können. Ein großes Lob geht dennoch an Lagaya, denn sie leisten sehr gute und wichtige Arbeit.

Annika, Karin und Vivienne 9c (09.12.13)

     

Michael Lohmüller berichtet....

Der ehemalige Drogenabhängige Michael Lohmüller berichtete am 21.10 in der Klasse 9b aus seinem Leben. Heute hilft er bei Release e.V. mit, seine Erfahrungen an Jugendliche weiterzugeben, um theoretisches Wissen mit realen Erfahrungen zu verbinden.

Der folgende Bericht entstand aus Zusammenfassungen von Marie-Elise Bendel und Julia Gorges sowie den Rückmeldungen aller Schüler der 9b. 

Herr Lohmüller stellte zunächst den seit 1971 bestehenden eingetragenen Verein Release vor. Die momentan 24 Mitglieder, darunter zwei ehemalige Abhängige, arbeiten gemeinsam an der Aufklärung vor den Folgen des Drogenkonsums sowie unterstützend im Entzug. So wird einerseits mit drogenabhängigen Straftätern an einer Reintegration in das Alltagsleben gearbeitet, andererseits ist die Aufklärung auf der Straße, z.B. durch das Verteilen von Spritzen und Kondomen, ein Schwerpunkt. Die Präventionsarbeit an Schulen ist ein weiterer Baustein im Programm von Release.

Herr Lohmüller berichtete, dass die größten Drogenszenen Deutschlands in Berlin, Hamburg sowie Frankfurt lägen und Stuttgart hier eine eher untergeordnete Rolle spiele.  Dennoch hindere dies nicht daran, Zugang zu Drogen zu erhalten. Dies machte er eindrucksvoll an seinem eigenen Lebenslauf fest. Als Schüler flog er von allen Schulen und schaffte letztlich spät seinen Hauptschulabschluss. Der schulische Misserfolg hatte seine Ursachen im zunehmenden Drogenkonsum. Was mit 14 Jahren harmlos mit Alkohol und Zigaretten begann, steigerte sich mit 16 durch das Umsteigen auf härtere Drogen. In diesem Alter wurde er auch erstmals von der Polizei aufgegriffen. Mit 17 war er LSD abhängig, mit 18 spritzte er sich Heroin. 

Letztlich half ihm seine Freundin aus diesem Kreislauf. Sie überredete ihn, auszusteigen und einen Entzug zu machen. Diesen wollte er ohne Unterstützung durch einen Arzt oder eine Organisation schaffen. Zunächst gelang ihm dieses Vorhaben tatsächlich, jedoch nicht auf Dauer. Nach einem Rückfall schaffte er es erst über den Kontakt zu Release endgültig clean zu bleiben. Seitdem versucht er durch die sehr persönlichen Schilderungen Jugendliche zum Nachdenken anzuregen.

 

Fazit der 9b:

Uns hat das Projekt sehr gut gefallen. Es waren interessante und beeindruckende Schilderungen dabei, jedoch haben sich die Informationen zu Release am Anfang ein wenig gezogen. Als Herr Lohmüller von sich selbst erzählt hat, wurde es wesentlich spannender. Gerne hätten wir ihm noch länger „unter 4 Augen“ Fragen gestellt und uns selbst eingebracht.

Wir finden das Projekt in Klasse 9 sehr gut angelegt, würden es allerdings begrüßen vorab gezielte Fragen auszuarbeiten und uns in das Hintergrundwissen aus Stufe 7 noch einmal einzuarbeiten.